Jahresbericht pro 1950 der SP Zofingen

Geschätzte Genossen,

Ein verhältnismässig ruhiges Jahr liegt hinter uns. Abgesehen von einigen wichtigen Eidgenössischer Abstimmungen bewegte sich das politische Geschehen in ruhigen Bahnen.

Was die Fätigkeit innerhalb der Partei anbetrifft muss diese als flau bezeichnet werden. Der Vorstand traf sich in 3 Sitzungen und Versammlungen wurden deren 4 abgehalten. Der Mitgliederbestand ist stabil geblieben d.h. es sind nur wenige Neuaufnahmen zu verzeichnen.

Ende Juni 1950 raffte der Tod unseren langjährigen und verdienten Genossen Gustav Gross, Alt Armenpfleger und Gemeinderat hinweg. Leider liess die Beteiligung seitens unserer Genossen an der Bestattung zu wünschen übrig. Der Dank an den lieben Toten wurde durch unseren Präsidenten abgestattet der in ehrenden Worten der Verdienste des Dahingegangenen gedachte.

Weggezogen ist auch unser langjähriger treuer Kämpfer Genosse Oskar Berger, Korrektor, der seinen Lebensabend in einem Heim am schönen Genfersee verbringt und von seiner langjährigen und aufopfernden Tätigkeit für die Arbeiterschaft sowie im Dienste der Firma Ringier & Cie Zofingen, ausruht. Wir gönnen Oski noch viele Jahre der beschaulichen Ruhe und Gesundheit. Wenn wir mit ihm auch nicht immer einig gingen in den politischen Anschauungen stets wolIte er nur das beste für die Arbeiterschaft.

Beiden Genossen bewahren wir ein ehrendes Andenken, sie haben es verdient. Für uns Zurückgebliebene heisst es im Sinne dieser alten Kämpen weiter zu wirken.

Gemeindepolitisch von Belang ist die Frage der Eingemeindung von Mühletal. Vergangenen Oktober tagten die Vertreter der verschiedenen politischen Parteien Zofingen's unter dem Vorsitz von Herrn Stadtammann Lerch, um zu dieser Frage eingehend Stellung zu nehmen. Die Budgetgemeinde vom Dezember 1950 beschloss mit grosser Mehrheit auf die Frage der Eingemeindung ebenfalIs einzutreten. Im Februar 1951 erfolgte ein Vorschlag seitens der Gemeindebehörde, eine Kommission zu bestellen bestehend aus ein bis zwei Vertretern sämtlicher politischen Parteien sowie unter Zuzug von Fachleuten, um diese Frage einer endgültigen Lösung entgegenzuführen. Die Parteiversammlung vom 15. Februar 1951 ordnete in diese Kommission ab die Genossen Scheidegger, Giger und Schaller. Die sozialdemokratische Partei Zofingen hat bereits an einer früheren Versammlung zu dieser sehr heiklen Frage Stellung genommen und sich mehrheitlich für eine Eingemeindung ausgesprochen.

Auf eidgenössischem Boden sind zu erwähnen, die Abstimmung vom 4. Juni 1950 über die Kontingentslösung der Bundesfinanzreform, welche vom Schweizervolk mit wuchtigem Mehr verworfen wurde. Zu diesem Resultat hat die SPS sehr viel beigetragen aus dem einzigen Grund, weil diese Lösung für die Arbeiterschaft nicht tragbar war. Ein besseres Schicksal erfuhr dann die Uebergangslösung von 11. Dez. welche mitgrossem Mehr angenommen wurde. Ebenfalls verworfen wurde am 1. Oktober die Jungbauern-Initiative und das Kantonale Schulsubventionsgesetz. Für letzteres ist es schade, kommen doch dadurch viele arme Gemeinden um ihr neues Schulhaus, denn ohne staatliche Hilfe sind sie nicht im Stande solche zu erstellen. Trotz grossen Anstrengungen hauptsächlich von seiten der Gewerkschaften, gelang es nicht, am 25. Februar 1951 der Autotransportordnung zum Durchbruch zu verhelfen. Die Art und Weise wie gegen dieses Gesetz Sturm gelaufen wurde grenzt an's Demagogische. Nun die Zukunft wird ja zeigen, ob man ohne staatlichen Eingriff die verkehrspoljtische Entwicklung in der Schweiz, und das Verhältnis zwischen Scheine und Strasse regeln kann. Wir zweifeln daran. Uns tun die zirka 10'000 Chauffeure und Angestellten im Autotransportgewerbe leid, die auf einen Schlag um ihren vorbildlichen Gesamtarbeitsvertrag kommen, der bis heute auf dem Vollmachtenweg in Kraft war und nun in die ordentliche Gesetzegebung übergeführt werden sollte für weitere drei Jahre. Es sollte nicht sein. Bedauerlich ist, dass ein grosser Teil der Arbeiterschaft auf die verleumderische Gegenpropaganda hereingefallen ist.

Mit der Abstimmung über die ATO hatte die Gemeinde Zofingen einen Lehrer an die neugeschaffene dritte Primarklasse zu wählen. An und für sich eine belanglose Sache könnte man meinen. Dem war aber nicht so. Unsere Vertreter in der Schulpflege, die Genossen Ernst Frösch und Walter Hertig orientierten die Parteiversarnmlung vom 15. Februar eingehend über das einseitige Vorgehen der Schulpflege sodass unsere Partei fast einstimmig beschloss den Kampf aufzunehmen und die Kandidatur von Heinrich Fehr, Lehrer in Strengelbach zu unterstützen. Leider blieb uns der Enderfolg versagt indem der erstvorgeschlagene Kandidat, Lehrer Willi Haberstich, Oberentfelden knapp obenausschwang. Resultat der Abstimmung:

Stimmberechtigte

2128

eingelegte Stimmzettel

1823

leer und ungültig

362

Absolutes Mehr

689

 

 

Stimmen haben erhalten:

Haberstich Willi

692

Fehr Heinrich

684

Trotz der Niederlage darf sich das Resultat von Lehrer Fehr sehen lassen. Hoffentlich langts ein andermal.

Der Maifeier in Aarburg war strahlendes Wetter beschieden. Ueber 1'000 Arbeiter und Arbeiterinnen strömten nach Aarburg um sich das vorzügliche Maireferat von Genosse E.A. Lang, Redaktor aus Zürich anzuhören. Die Organisation klappte in allen Teilen.

Der Kantonale Parteitag in Brugg vom 28. Januar 1951 vvurde durch Genosse Giger besucht. Auch die drei Bildungskurse durch die Bezirkspartei veranstaltet, wurde durch Genossen unserer Partei beschickt. Seinerzeit wurde durch Genossen unserer Partei eine Anregung gemacht es sei die Einführung von Volksvorstellungen im Stadtsaal zu prüfen. Dank den Bemühungen durch das Gewerkschaftskartell wurde die Anregung zur Tatsache. Leide endigte der erste Versuch mit dem Schauspiel "Ein Inspektor kommt" mit einem grossen Fiasko und Defizit d.h. die Arbeiterschaft von Zofingen und Umgebung versagte zum grossen Teil ihre Gefolgschaft. Zum Glück wurde die Garantieleistung des Gewerkschaftskartells hinfällig und das Defizit von 600 Franken ganz von der Gemeinde übernommen.

Abschliessend möchte ich meinen Kollegen im Vorstand sowie allen Genossen die durch regelmässigen Versamnlungsbesuch glänzten und regen Anteil an unserer Parteitätigkeit nahmen, den besten Dank aussprechen. Es stehen uns in naher Zukunft weitere und grosse Aufgaben bevor. Wir können dieselben aber nur lösen, wenn wir noch intensiver und tatkräftiger uns einsetzen, sei es öffentlich in Gemeindeangelegenheiten oder parteipolitisch um den Grundsätzen des Sozialismus zum Durchbruch zu verhelfen. Die Offentlichkeit muss bei jeder Gelegenheit merken dass wir da sind und unseren Mann stellen. Das ist der beste Werbefaktor und so wird es gelingen unserer Partei weitere Mitglieder und Anhänger zu gewinnen. Ich hoffe dass ihr mich verstanden habt.

Zofingen, im März 1951

Der Berichterstatter
sig. Arn. Giger